Zwiegespräch

Zwiegespräche befreien von Festlegungen

Versucht man nun die Erfahrungen zu erklären, die Männer in Zwiegesprächen gesammelt haben, helfen zunächst weniger die Erklärungsmodelle, die die Populärliteratur der vergangenen Jahre hervorgebracht hat. Bücher mit dem Titel „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ sind von sehr stereotypen Bildern von Männern und Frauen ausgegangen und haben schon zur Zeit der Veröffentlichung nicht hinreichend die Verhaltensvielfalt der Geschlechter erklärt.
Zielführender sind die Modelle aus der Jungenarbeit und der Genderforschung der letzten Jahre. Sie betonen, dass es für Mädchen/Frauen und Jungen/Männer eine sehr viel größere Verhaltensbandbreite gibt als in vorhergehenden Generationen. Dies bezieht sich auch darauf, wie wir „als Geschlechter“ sein können. Vorstellungen, wie Männer und Frauen sich in ihrem Geschlecht zeigen und entfalten können sind damit wesentlich durchlässiger, vielfältiger, schillernder geworden.

Zwiegespräche fördern die innere Balance

 Der Sozialwissenschaftler Reinhard Winter greift auf ein Balance-Modell zurück, in dem nicht – wie häufig üblich - vermeintliche „Eigenschaften“ über die verschiedenen Geschlechter zu Grunde gelegt werden, sondern es werden die Ressourcen in den Mittelpunkt gestellt.
Das Modell besteht zunächst aus Paaren von Aspekten. Der Begriff „Aspekte“ meint mögliche Kompetenzen. Ein „gelingendes Mannsein“ ist dadurch gekennzeichnet, dass jeweils auf beiden Seiten Potentiale und Kompetenzen entwickelt werden, die wir in unserer Arbeit mit dem Zwiegespräch in den letzten Jahren beobachtet haben. Das Modell arbeitet also – bildlich gesprochen – mit dem Käse, nicht mit den Löchern, d. h. den Defiziten.
Auf der linken Seite finden sich eher Aspekte, die Männern traditionell und mit großer Selbstverständlichkeit zugeschrieben werden. Auf der rechten Seite werden ebenfalls männliche Aspekte genannt, die aber in traditionellen Männerbildern eher verdeckt bleiben und die es aufzuspüren gilt.
Solch eine Balance ist aber nie statisch, sondern neigt sich mehr wie eine Balkenwaage mal mehr hierhin, mal dahin. Ziel ist es, eine Sensibilität dafür zu entwickeln, wann es wichtig und lebensnotwendig ist, die jeweils anderen Aspekte zu leben. Auch dafür sind die Zwiegespräche für Männer ein Werkzeug, sich diesen Polaritäten bewusst zu werden. In der Tabelle werden nun fünf von acht Aspekten erklärt. Die Zitate von zwiegesprächserfahrenen Männern markieren, inwieweit dieses Selbsthilfekonzept dazu beiträgt, zur Balance von Männen beizutragen und dieses mit und vor ihren Partnerinnen ins Wort und damit ins Leben zu bringen.

Literatur:

Winter, R./Neubauer, G.: Dies und Das! Das Variablenmodell „Balanciertes Junge-Mannsein“ als Grundlage für die pädagogische Arbeit mit Jungen und Männern. Tübingen (Neuling) 2001